Kangaroos chancenlos gegen Knights
Der 11. Spieltag der zweiten Basketball Bundesliga PRO A wird bei der BG TOPSTAR Leitershofen/Stadtbergen wohl nicht in bester Erinnerung bleiben. Es war weniger die Tatsache, gegen den Tabellendritten VfL Kirchheim Knights die zehnte Saisonniederlage kassiert zu haben. Mit so etwas muss man in dieser Liga durchaus rechnen. Vielmehr war es dieses Mal die Leistung der Kangaroos in der ersten Halbzeit, die durchaus als desolat bezeichnet werden konnte und Hauptursache für die letztendliche hochverdiente 67:85 (28:44) Niederlage war. Dazu verletzte sich Logan Stutz noch in der ersten Halbzeit an den Bändern und droht nun mindestens bis Weihnachten auszufallen. Wäre das Wetter in diesen Tagen nicht so schön, der Ausdruck Novembertristesse hätte am Samstagabend bestens zum Zustand der Leitershofer Basketballer gepasst, auch weil die zweite Mannschaft gegen Landsberg im Lokalderby-Vorspiel ebenfalls eine empfindliche Packung verabreicht bekam.
Über 700 Zuschauer waren in die Sporthalle gekommen, durchaus hoffnungsfroh, nach dem zuletzt erfolgten deutlichen Aufwärtstrend der BG einen spannenden Basketballabend zu verleben, und natürlich auch, um „Heimkehrer“ Devin Uskoski im Kirchheimer Trikot wiederzusehen. Letzterer wurde wie erwartet begeistert vom Publikum empfangen, man sah Uskoski durchaus an, dass da zwei Herzen in seiner Brust schlugen, auch wenn er danach eine mehr als tadellose Partie für die Knights ablieferte und mit 21 Punkten Topscorer des Abends war. Den Begriff tadellose Leistung, das konnte man von den Leitershofern allerdings zunächst gar nicht behaupten, von Beginn an fiel man in längst überwunden geglaubte Strickmuster zurück. Man agierte zaghaft, verängstigt, wenig aggressiv und machte es dem Gegner noch dazu mit vielen Ballverlusten mehr als leicht, sich rasch einen 24:12 Vorsprung zu erspielen, der bis zur 15. Minute sogar auf 40:20 anwuchs. Dabei hatte der neutrale Zuschauer durchaus den Verdacht, dass die Kangaroo-Akteure den Kirchheimer Sebastian Adeberg gar nicht kannten. Dieser selbst überwand diesen Überraschungseffekt alerdings relativ schnell und netzte bereits in der ersten Halbzeit praktisch ohne Gegenspieler einfach einmal 18 Punkte ein, ein Score deutlich über seinem normalen Durchschnitt über eine ganze Partie hinweg. Gerade einmal sechs Fouls begingen die Stadtberger in Halbzeit eins, und dies lag nicht daran, dass die Schiedsrichter besonders großzügig pfiffen, sondern schlicht und einfach an mangelnder Aggressivität der gesamten Leitershofer Mannschaft.
Dass es die TOPSTAR Kangaroos besser können bewiesen sie dann zu Beginn des zweiten Abschnitts. Vor allem Skyler Bowlin sorgte mit einigen Distanzwürfen für eine Reduzierung des Rückstandes auf 38:49 und zwang Kirchheim zumindest zu einer Auszeit. Die routinierten Gäste fingen sich aber schnell wieder und ließen die nun merklich kampfbereiteren Kangaroosim Resultat nicht näher herankommen. Kirchheim spielte in dieser Phase absolut routiniert und abgeklärt und gefährdete einen sicheren Sieg nicht mehr. BG Trainer Stefan Goschenhofer musste beim Spielstand von 58:71 in der 36. Minute dann endgültig einsehen, dass die Defizite des ersten Spielabschnittes nicht mehr aufzuholen waren und warf so noch einmal in größerem Maße die Rotationsmaschine an.
Logan Stutz, der bei einer Korbaktion in der 13. Minute umgeknickt war, wurde noch am Spielfeldrand vom Team der Hessing Klinik erstbehandelt und in der Nacht zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht, eine genaue Diagnose wird erst am Montagfrüh erwartet. Es besteht jedoch der Verdacht auf einen Bänderriss, was gleichbedeutend damit wäre, dass er zumindest bei den restlichen vier Spielen bis Weihnachten nicht mehr eingesetzt werden kann. Dies wiegt umso schwerer, da ja nächsten Sonntag die Begegnung beim Tabellenvorletzten Karlsruhe stattfindet. Gleichwohl, mit der Leistung der ersten Halbzeit vom Samstagabend wird es bei den zuletzt erstarkten Badenern aber weder mit noch ohne Stutz etwas zu holen geben.
BG TOPSTAR Leitershofen:/Stadtbergen: Genck (9/1 Dreier), Hassan (14/3 Dreier), Förster (2), Chalusiak,, Bowlin (16/3 Dreier), Stutz (6), Zenk, Gervé, Veney (2), Richardson (12) Kronhardt (5).
Nicht viel besser als der ersten ging es der zweiten Garnitur. Erstmals trug man ein Spiel ebenfalls in der Sporthalle aus und unterlag der DJK Landsberg mit 67:87. Im Spitzenspiel der 2. Regionalliga Süd hatte man dabei den Lechstädtern wenig zuzusetzen und konnte an die Leistungen des bisherigen Saisonverlaufs nie anknüpfen. Nach Bayern München II musste man somit binnen sechs Tagen ein weiteres Team in der Tabelle vorbeiziehen lassen und belegt, wohlgemerkt als Aufsteiger, nun Tabellenplatz drei.
Stimmen zum Spiel:
BG-Headcoach Stefan Goschenhofer: „Es war heute in der ersten Halbzeit die bisher schlechteste Leistung meiner Mannschaft in der gesamten Saison. Ich bin absolut enttäuscht, dass die Spieler da den Abstiegskampf nicht angenommen haben. Einige sind leider zu sehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem Team. In der zweiten Halbzeit war es besser, aber gegen ein Team wie Kirchheim kann man dann keine Wende mehr herbeiführen. Nun wird es ganz schwer nächste Woche in Karlsruhe, eigentlich wollten wir positiv gestimmt dorthin fahren. Mental fangen wir jetzt leider wieder einmal bei null an.“
Co-Trainer Konstantin Liehr: „Es war ein Rückfall in alte Muster, bestenfalls noch mit den ersten Halbzeiten der Spiele gegen Crailsheim und Heidelberg vergleichbar. Aber diese Spiele waren am Saisonanfang und das war schon vergessen. Aber unser Weg ist von Rückschlägen gekennzeichnet, da müssen wir jetzt halt auch wieder durch. Es kann nur besser werden. Wollen wir hoffen, dass die Verletzung von Logan weniger schwer ist, aber die erste Diagnose der Ärztin ging nicht in diese Richtung.“
Kangaroo-Abteilungsleiter Andres Santiago: „Selbst der Kirchheimer Präsident hat nach dem Spiel zu mir gesagt, dass sie aufgrund der letzten Videoanalysen sich auf einen ganz anderen Widerstand eingestellt hatten. Daran sieht man, dass wir uns in den letzten Wochen durchaus Respekt in der Liga verschafft haben. Leider hat die Mannschaft sich diesen in der ersten Halbzeit nun selbst wieder verspielt und hat es perfekt verstanden, das Trainerteam, das wirklich alles versucht, in unglaublichem Maße zu quälen. Schade, denn die Jungs können es besser, das wissen wir. Trotzdem auch danke an die Fans, die uns schon die ganze Saison über und auch wieder am Samstagabend so toll unterstützen. Vielleicht gibt es in Karlsruhe nächsten Sonntag aber jetzt eine zumindest kämpferische Trotzreaktion, die Mannschaft ist das den Trainern schuldig.“.
Ex-Kangaroo Devin Uskoksi: „Es war schön, viele alte Freunde und Bekannte wieder zu sehen, deshalb bleibe ich auch noch einen Tag länger in Augsburg und fahre nicht sofort mit dem Team zurück. Wir haben in Kirchheim eine sehr eingespielte und erfahrene Truppe und wollen noch einiges erreichen in dieser Saison. Meine Ex-Kollegen sollen nicht verzagen, ich weiß, dass sie mehr können als sie heute gezeigt haben und ich wünsche ihnen, dass sie die notwendigen Punkte zum Klassenerhalt noch anderswo holen“